Glavinic, Thomas
Thomas Glavinic, 1972 in Graz geboren, lebt in Wien. Zuletzt erschien »Lisa« (2011).
Unterwegs im Namen des Herrn
Thomas Glavinic auf dem Balkan, auf einer Pilgerfahrt, deren Ziel die Erleuchtung
ist. Doch die bleibt aus. Zermürbt von den endlosen Gebeten seiner Mitreisenden
versucht er zu fliehen. Die Rettung geht schief, denn jetzt kommt er vom Himmel
in die Hölle.
Mit Ingo, einem berühmten Fotografen, der das Aussehen eines Gangsters hat, macht sich Glavinic auf den Weg ins bosnische Medjugorje. 1981 erschien hier drei Hirtenkindern die Jungfrau Maria. Seitdem besuchen Tausende von Gläubigen den abgelegenen Ort.
Sie fasten, schlafen in kargen Betten und stehen mitten in der Nacht auf, um den Erscheinungsberg zu besteigen. Glavinic will es mit eigenen Augen sehen. Die vierzehnstündige Busfahrt mit den kauzigen Mitreisenden und dem kommandierenden Reiseleiter ist schlimm genug, doch in Medjugorje landen sie in einer perfekten Abfertigungsmaschinerie für gläubige Touristen. Zwei Tage später quält Glavinic eine schlimme Angina, und Ingo weigert sich, auch nur eine Minute länger zu bleiben.
Kurz vor dem Nervenzusammenbruch taucht als Retter Glavinics Vater auf und fährt die beiden nach Split, wo sie von lokalen Mafiagrößen in einer prunkvollen Villa empfangen werden. Und schon bald wünschen die beiden, sie wären bei den Predigern geblieben. Glavinic ist böse - vor allem sich selbst gegenüber, das hat er mit seinem brillanten Roman »Das bin doch ich« bewiesen. Doch dieses Meisterstück der Selbstdemontage ist noch zu steigern: wenn die Verzweiflung zur Erleuchtung wird ...

