Lewitscharoff, Sibylle

Sibylle Lewitscharoff, in Stuttgart geboren, lebt in Berlin. Sie wurde u. a. mit dem
Ingeborg-Bachmann-Preis 1998, dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis 2008, dem Berliner Literaturpreis 2010, dem Leipziger Buchpreis 2010, dem Kleist-Preis 2011 und dem Ricarda-Huch-Preis 2011 ausgezeichnet.

Blumenberg

»Sibylle Lewitscharoff ist ein sprachlicher Furor eigen, der in der deutschen Literatur einzigartig ist.« Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung Groß, gelb, gelassen, mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem
auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle - für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht? Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt. Blumenberg ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner.

Bild: 
© Susanne Schleyer