Haslinger, Josef

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt in Wien und Leipzig. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sein Roman »Opernball« (1995) machte ihn berühmt. Sein letztes Buch, »Phi Phi Island«, erschien im Frühjahr 2007. 2010 war er Mainzer Stadtschreiber.

Jáchymov

Der Verleger und die Tänzerin - sie begegnen sich zufällig. Er sucht Heilung im alten Kurhotel von Jáchymov und stößt dabei auf das Grauen dieses Ortes. Die Tänzerin beginnt ihm eine Geschichte zu erzählen, die sie ihr Leben lang begleitet hat. Es ist die Tragödie ihres Vaters Bohumil Modrý, genannt Boža. Als Torwart der tschechoslowakischen Eishockey-Nationalmannschaft ist er ein Star. Mit 21 Jahren gewann er 1947 den ersten Weltmeistertitel seines Landes, holte 1948 die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen und wurde im Jahr darauf noch einmal Weltmeister. 1950 wurde die gesamte Nationalmannschaft verhaftet, auch Boža Modrý, der seine Karriere schon beendet hatte und glaubte, seine Erfolge würden ihn vor der Willkürherrschaft des kommunistischen Regimes schützen. Man verurteilte ihn zu 15 Jahren Haft und deportierte ihn in die Arbeitslager von Jáchymov, einem Uranbergwerk in einem Tal des Erzgebirges. Nach fünf Jahren wird er amnestiert und als Todkranker entlassen. Seiner Familie bleibt nichts, als ihm beim langsamen Sterben zuzusehen. Die Tochter wird zur Chronistin einer ungewissen Erinnerung, der sie nicht mehr entkommen kann.

Bild: 
© Jürgen Bauer