Ortheil, Hanns-Josef

Liebesnähe

»Meine Liebesromane sind sehr versteckte Verweise auf Formen und Sprachen der
Liebes-Mystik. Ich schreibe über ›Liebe‹ überhaupt nur in diesem Sinn, mit Liebesromanen im zeittypischen Sinn, der Beschäftigung mit Konflikten, hat meine Liebesapologetik rein gar nichts zu tun.« Hanns-Josef Ortheil im Gespräch mit dem Rheinischen Merkur

»Liebesnähe« ist die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die sich zufällig in einem einsam gelegenen Hotel irgendwo in den Bergen treffen. Vom ersten Augenblick dieser Begegnung an erleben beide eine rasch wachsende Anziehung und sind doch zu vorsichtig, miteinander zu sprechen. Vielmehr verlegen sie sich auf ein virtuos betriebenes Spiel von Zeichen und Andeutungen, das jedem von ihnen aufgibt, die Geschichte und die Eigenarten des anderen erst durch genaue Beobachtung und geduldige Einfühlung zu entdecken.
Im Hintergrund dieser Annäherung zieht die Besitzerin der Hotelbuchhandlung
als Mittlerin ihre eigenen Fäden: Sie »füttert« die beiden Liebenden mit Büchern, die – wie der Liebestrank in »Tristan und Isolde« – eine ganz eigene, magische Wirkung entfalten.
»Liebesnähe« ist nach den Romanen »Die große Liebe« und »Das Verlangen nach Liebe« der dritte Band einer Trilogie, in denen es um das Geheimnis der Liebesverständigunggeht. »Liebesnähe« greift aber auch die Themen von stummer und sprachlicher Kommunikation in Ortheils letztem Roman »Die Erfindung des Lebens« auf: Ohne dass die Liebenden miteinander Worte wechseln, sehen sie sich einer namenlosen Anziehungskraft ausgesetzt, die sie schließlich glauben macht, sie gehörten schon immer und für immer zusammen.